Ab ins Museum!

Vor etwa zwei Wochen konnte ich mein erstes Vorhaben mit den Mädels endlich umsetzen. Es ging ins Museum. Zusammen mit Laura, meiner Mitfreiwilligen im Hogar, holten wir 4 meiner Kunstmädels am Nachmittag im Hogar ab und fuhren in die Stadt um uns verschiedene kostenlose Galerien der Kulturzentren anzuschauen. Die Galerie, die eigentlich auf unserem Plan stand war leider entgegen der Öffnungszeiten nicht offen, weshalb wir uns ans improvisieren machten und prompt eine andere Galerie fanden. Dort hatten die Mädchen immer die Aufgabe sich ein Bild/ ein Foto/ eine Skulptur auszusuchen und diese abzuzeichnen. Was insgesamt ein echt schöner Nachmittag war und ihnen auch sehr gefallen hat.

Wenn der Alltag eingetreten ist…

Das besondere an der Zeit nach den Sommerferien war, dass genauso wie in Deutschland alles wieder neu organisiert werden musste. So auch im Hogar die Kurse wurden neu gemischt, andere Mädchen haben sich eingeschrieben und ich musste auch mal schauen wie alles so weiter gestalte.

Aber dann ist der Alltag eingekehrt. Mittlerweile habe ich 8 Flötenschülerinnen, davon 6 erst seit nach den Sommerferien, da auch manche aufgrund von Zeitmangel aufgehört haben. Und ich habe auch viel dazu gelernt, wie man am besten Unterrichtet und ein Instrument beibringt. Auch meine Kunststunden laufen gut, zwar habe ich ab und zu das altbekannte Problem, dass niemand Zeit hat, jedoch finden sich meist immer 2-3. Deshalb habe ich mir damit beholfen alle paar Wochen mal samstags zu kommen, weil man da einfach viel mehr Zeit hat. Außerdem gebe ich einem der älteren Mädchen auch manchmal Deutschunterricht. Von daher hat sich das alles schön eingependelt. Es gibt immer was zu tun, jedoch wird es nicht stressig, auch wenn es natürlich auch nicht nur unanstrengend ist so viel Unterricht zu geben.

Ich habe auch bevor meine Reisen wieder anfingen 3 Monate am Stück gearbeitet, was echt eine tolle Zeit war und dadurch, dass es keine Unterbrechungen gab, auch eine sehr produktive Zeit war.

Mittlerweile bin ich auch echt traurig die Mädchen schon in 3 Monaten verlassen zu müssen. Die Zeit ist echt geflogen!

Aber bevor ich gehe hoffe ich noch einige Projekte, wie eine weitere Reunion del trabajo, ein Museumsbesuch, ein Konzert und das Streichen der Wände umsetzten zu können. Mal schauen wie viel dann tatsächlich möglich ist und von den Madres erlaubt wird.

In der Estacion war ich seit langem nicht mehr. Eigentlich hatte ich mit der Chefin dort ein Projekt angefangen, das Grundschulklassen die Kunst näher bringen sollte. Dafür wurde zunächst eine Geschichte vorgelesen und dann habe ich mit den Kindern ein eigenes Buch gestaltet. Jedoch hat dies nur einmal stattgefunden und es gab auch wegen der Größe der Gruppe und schlechter Absprachen einige Probleme. Außerdem wird es ständig wegen Regen oder so abgesagt, weshalb ich auch am überlegen bin den Kurs nicht fortzusetzten, da es trotz der schönen Idee nicht funktioniert.

Wie man sieht bin ich hier mittlerweile zu Hause und lebe mein Leben, es wird auch sicherlich schwer werden dies hinter mir zu lassen.

Ab in die Pampa!!!

Eine weite Reise führte Rieke und mich nach einem kurzen Umweg ins eiskalte El Alto in den warmen Norden Boliviens. Genau genommen nach Rurrenabaque, den Anlaufpunkt für Reisen in den Dschungel.

Nach zwei Tagen in der Eiseskälte El Altos machten wir uns im Flugzeug auf den Weg und schon sobald wir aus dem Flugzeug stiegen, fühlten wir uns wieder wie zuhause, diese wohligen Temperaturen von über 30 Grad waren wir schon aus Santa Cruz gewöhnt. Nachdem wir uns in unserem Hostel mit Pool eingerichtet hatten, ging es auf Suche nach einer Reiseagentur, mit der wir unsere 3 Tage Pampastour antreten wollten. Und die war auch schnell gefunden.

Und am nächsten Morgen ging es mit unserer Reisegruppe bestehend aus zwei jungen Irischen Ärztinnen und einem britischen Abiturient los auf die Reise. Schon bei unserer Ankunft beim Fluss, auf dem wir die nächsten Tage verbringen würden, sahen wir die ersten rosa Delfine, für die dieses Gebiet-wie wir alle von Helen erfahren haben- bekannt ist. Auch wenn es ein sehr gräulicher Rosaton ist. So konnten wir bereits auf der Hinfahrt zu unserer Ecolodge mit Delfinen schwimmen-also im selben Wasser. Auch konnten wir kleinen Äffchen zuschauen, wie sie über das Boot sprangen. Sowie eine Vielzahl weiter Tiere- vor allem Vögel betrachten.

P1180813

Zum Abend hin bewunderten wir noch den Sonnenuntergang, welcher dann auch mit einer Invasion der Mücken einherging. Während man tagsüber fast keine sah, änderte sich das nachts schlagartig. Man merkte echt wie die Natur erwachte. Ich war echt froh um die Mückennetze über unseren Betten. In der Nacht fuhren wir nochmals mit unserem Boot los um noch weitere  Tiere zu sehen. Wir bewunderten aber besonders den Sternenhimmel.

Die nächsten Tage waren mit vielen weiteren Tiersichtungen von unserem Boot aus gefüllt. Wir suchten Anakondas, schwammen nochmal mit Delfinen und „fischten“ Piranhas (es glich eher einer Fütterung, weil wir sie nie erwischten).

Zurück in der Agencia buchten wir uns noch einen Tag Dschungel hinzu, was jedoch wegen der mangelnden Planung von Seiten der Organisatoren etwas enttäuschend war. Zu zweit ging es noch am selben Tag zur Unterkunft zusammen mit dem Küchenteam. In einem Boot, aus welchem die ganze Zeit Wasser geschöpft wurde. Die Unterkunft war eigentlich ganz schön, aber als am nächsten Tag der guía kam erfuhren wir, dass wir nicht mal den Nationalpark betreten würden. Unsere Tour war eine 5-stündige Wanderung durch den Wald. Diese war echt ganz schön und interessant, auch glich die Natur stark dem nahgelegenen Nationalpark, wir waren jedoch von der Planung extrem entäuscht.

Am Abend ging es zurück ins Hostel, wo wir sofort in den Pool sprangen um uns zu erholen und auch ein paar bekannte Gesichter sahen und uns so sehr lang unterhielten. Am Abend nahmen wir  auch am Pub Quiz des Hostels teil – 5 de mayo style-und gewannen.

Alles in allem muss ich sagen, dass ich die Reise sehr genossen habe und Rurrenabaque auf meiner Bolivien Hitlist gerade ganz oben steht und ich dort gerne mehr Zeit zur Verfügung gehabt hätte. Ich werde auf jeden Fall zurückkehren! Nach unserem Höllenrückflug jedoch nicht unbedingt mit dem Flugzeug. Wir flogen nämlich mit einem winz-Propellerflieger und durch die Windverhältnisse glich der Flug einer Achterbahnfahrt, was in einer solchen Höhe nicht so lustig ist.

Wenn Welten zusammentreffen…

Nach fast 9 Monaten in Bolivien fühle ich mich hier schon wie zuhause. Ich habe mir hier ein Leben aufgebbaut, habe eigenen Alltag, Freunde, ein Projekt…ich bin hier zuhause. Umso seltsamer war es, als vor zwei Wochen meine Eltern zu Besuch kamen, denn mein Leben in Deutschland war ein anderes, anderer Alltag, andere Freunde, Schule, aber ebenso mein zuhause. Menschen aus meiner einen Welt treffen auf meine andere Welt… Eine ungewöhnliche Erfahrung mit vielen Erlebnissen, aber natürlich auch Schwierigkeiten- wie das so ist, wenn Welten zusammentreffen. Neben den obligatorischen Lebens- und Arbeitsraumbesichtigungen meiner Eltern, ging es ans reisen.

Zunächst verbrachten wir ein Wochenende in Samaipata, einem Dorf in der Nähe von Santa Cruz. Beuchten dort „el Fuerte“ eine Ruinenstätte der Inkakultur und verbrachten den nächsten Tag im Regen im Parque Nacional Amboro, wo wir wirklich beeindruckende Natur bestaunen konnten.  Im nichtstoppenden Regen bekam der Name „Regenwald“ eine ganz andere Bedeutung, dies hielt uns aber nicht davon ab die Canons rauf und runter zu steigen und die Natur zu genießen, deren Farben durch den Regen nur umso leuchtender waren.

Zum Osterwochenende hin ging es dann zu unserer großen Reise durch Sucre, Potosí und Uyuni. Unser erster Stopp Sucre war mir persönlich schon bekannt, dennoch hatte besonders der Freitag noch Neuheiten zu liefern, denn Karfreitag ist in Bolivien der einzige Feiertag der Osterwoche und wird dementsprechend groß gefeiert. In Sucre hieß das: verschiedenste Prozessionen und fast jeder schien den Kreuzweg, der einen Berg hochführte zu machen. Also taten wir dasselbe und machten uns auf den Weg nach oben. Zwischendurch hatte man immer wieder einen tollen Ausblick auf die Stadt und oben angekommen zündeten alle Kerzen unter Eukalyptusfeuern an und dieser Geruch füllte die gesamte Luft. Es war echt eine besondere Atmosphäre. Bei unserem Abstieg wurden wir zudem Zeuge eines beeindruckenden Sonnenunterganges. Und bei der Ankunft bei unserem Hotel sahen wir ebenfalls eine Prozession.

Nächster Stopp: Potosí. Mit dem Bus ging es aus dem sonnigen Sucre nach Potosí. Schon auf dem Weg konnte man sehen, wie die Sonne immer mehr den Wolken wich bis wir die tiefhängenden Wolken Potosís erblickten. Kaum saßen wir im Taxi begann auch schon das Unwetter. Riesige Hagelkugeln prasselten auf das Taxi nieder und sorgten auf den Straßen dazu, dass sich diese in Flüsse verwandelten, ich muss jedoch sagen, dass das einzige unbekannte daran für mich der Hagel war, da ich außer im Gefrierfach seit August nichts schneeähnliches gesehen habe. Die nächsten Tage wurden jedoch besser, so dass wir auch den Ausblick unserer Dachterrasse- wirklich das einzig Gute am Hotel- genießen konnten. Über Potosí muss ich sagen, dass es besonders im Zentrum echt seinen Charme hat, es aber auch viele Teile gibt, die einfach gräußich sind. Nach einem Besuch im „Casa de la Moneda“, ging es am Montag dann zu den Minen. Die Tour selbst war echt informativ und interessant und ich würde es auch nochmal machen, jedoch ist mir besonders in meiner Gruppe, die sonst fast nur aus Lateinamerikanern und Männern bestand, das Verhalten der Minenarbeiter gegenüber mir- als europäisch aussehende Frau- negativ aufgefallen, da alles worüber manche redeten war, dass sie mich, oder irgendeine Deutsche als Freundin wollen. Natürlich sind meine Erfahrungen jedoch nicht repräsentativ für alle Minenarbeiter.

Nach der Tour ging es dann auch schon nach Uyuni und damit zum schönsten Stopp unserer Tour. Allein die Fahrt mit dem Bus von Potosí nach Uyuni war toll und ich würde es jedem empfehlen diese bei Tag zu machen um die wunderschöne Landschaft bewundern zu können. Wir hatten, da wir nicht wussten, wann wir ankommen würden, unsere Tour schon reserviert und mussten uns so nicht auf eine ewige Jagt durch die unendlich vielen Touranbieter machen, sondern nur noch bezahlen. Und dann ging es am nächsten Morgen auch schon los. Unsere Gruppe bestand lustigerweise nur aus Deutschsprechenden, weshalb die Kommunikation sehr leicht war. Unser Fahrer sprach jedoch nur spanisch, was jedoch kein Problem war.

Nach dem obligatorischen Besuch beim Eisenbahnfriedhof ging es dann auch schon in Richtung Salar. Ein kurzer Stopp zum Souvenir kaufen und dann konnten wir ihn schon sehen, den riesigen weißen Salar. Und nach dem echt leckeren Mittagessen kam die Zeit für Fotos! Mit optischen Täuschungen und und und… Ein echt lustiges Unterfangen. Ewig waren wir am Fotos machen und auch unser Fahrer hat uns viel geholfen so dass am Ende echt lustige Sachen dabei rauskamen. Die meisten anderen Autos waren bereits weitergefahren, aber wir waren immer noch nicht fertig. Daraufhin ging es zu der Kaktusinsel, ein touristischer, aber echt schöner und friedlicher Ort. Und bevor wir uns auf den Weg zum Hostel für die Nacht machten, schauten wir uns noch den Sonnenuntergang am Rande des Salars an. Es war nur leider super windig, wodurch wir auch in den Wasserresten keine Spiegelung sehen konnten.

Nach einem leckeren Frühstück machten wir uns am zweiten Tag auf den Weg. Dieser Tag war mit der vollgeplanteste Tag mit sehr vielen Stopps, die am Ende dann jedoch doch nicht so viele Stopps waren, sondern durch einen extremen Wind, der in der Wüste, also bei den Lagunen, zu einem Sandsturm führte, eher zu einem- Raus aus dem Auto- gegen den Wind ankämpfen und Fotos machen- und rein ins Auto- wurden. Dennoch waren die diversen Steinformationen und Lagunen echt beeindruckend und schön. Jedoch auch ein extremes Abenteuer, für über 45 Minuten standen wir auch mal in der Wüste und mussten warten, weil der Wind so stark war, dass wir nicht weiter konnten, weil er sonst das ganze Auto kaputt gemacht hätte. Besonders die Laguna Colorada erstrahlte durch den Wind in einem kräftigen rot, welches man leider draußen durch den Wind, der einem die Steine an die Beine Peitschen ließ, nicht so genießen konnte. Zum Glück gab es jedoch einen durch Glas geschützten Mirador. Nach einem Abstecher zu den Geysiren kamen wir am Ende alle verfroren und hungrig- wegen dem Wind haben wir uns gegen ein Picknick draußen entschieden- an unserem Hostel direkt an den aguas thermales- den warmen Quellen- an. Nach einem kurzen Tee und unserem wieder aufgewärmten Mittagessen ging es dann in das warme Bad und ich konnte endlich meine Zehen und Finger wieder richtig spüren. Während wir in unserem warmen Bad beobachten konnten wie die letzten Reste der untergehenden Sonne einem wunderschönen Sternenhimmel wichen, wurde in unserem Hostel auch schon unser Abendessen vorberietet, welches wir etwas später am Esstisch mit Panoramablick auf den See genießen konnten.

Über die Nacht stillte sich der Wind etwas und am nächsten Morgen erwartete uns ein wunderschöner sonniger Tag. Bei unserem leckeren Pancake-Frühstück genossen wir ein letztes Mal den Blick über den See und sahen den anderen Gruppen, die erst jetzt ihre kurze Badechance ergriffen, zu. Etwas später machten wir uns auf den Weg durch die Wüste Dalis hin zu weiteren Lagunen, auf die wir jetzt endlich einen ruhigen Blick erhaschen konnten. Nach einem kurzen Stopp an der chilenischen Grenze, wo unsere Gruppe um eine Person kleiner wurde, ging es auch schon an den Rückweg mit weiterer toller Natur und einem schönen Picknick mitten zwischen beeindruckenden Steinen.  Am späten Nachmittag erreichten wir dann Uyuni und machten uns am nächsten Tag auf den Rückweg nach Santa Cruz.

DSC01042

Und damit war der Besuch meiner Eltern auch fast schon am Ende angelangt. Wir gingen nochmal zusammen essen und dann war auch schon die Zeit des Abschieds gekommen. Ich muss sagen, dass es echt ein seltsames Gefühl ist, wenn zwei Welten zusammentreffen, besonders wenn der einzige Teil, der diese verbindet, man selbst ist. Aber es war auch echt schön zu sehen wir interessiert sowohl meine Gastfamilie daran ist, meine Familie kennenzulernen-meine Gastmutter hat die ganze Familie zu einem Grillabend eingeladen- als auch meine Familie an meinem Leben hier.

Feste feiern in Bolivien

Das mit bekannteste und berüchtigtste Fest Boliviens ist sicher der Carnaval. Besonders der Umzug in Oruro ist weltbekannt, aber auch in anderen Städten Boliviens wird Carnaval gefeiert.

IMG-20170219-WA0000

Aber der Carnaval dauert nicht nur die 4 Tage des Feierns. Es beginnt schon viel früher. Schon Wochen vorm offiziellen Carnaval gab es in der Innenstadt viele Umzüge mit Tänzen, die echt schön anzusehen waren. Und dann ist in Santa Cruz natürlich noch die Krönung der Königin des Carnavals sehr wichtig. Und davon gibt es viele… eine offizielle und dann hat auch fast noch jede Comparsa ihre eigene. So auch die Comparsa meiner Familie. Was Comparsa sind, darauf komme ich gleich noch zurück.  Eine Woche vor Carnaval war ich also zur Krönung der Königin der Familie in einer Garage eingeladen. Nach dem die Krone übergeben wurde kam es zum Hauptteil: dem Essen, Tanzen und Trinken (von Bier natürlich). Ein ganz lustiges unterfangen.

Aber nun zum Carnaval selbst. Ich persönlich hatte das Pech kurz davor krank zu werden, wodurch ich nicht alle Tage genießen konnte.  Dennoch habe ich einen Einblick in den Carnaval in Santa Cruz gewinnen können. Dieser ist so überhaupt nicht traditionell. Es ist eine reine Party. Was überall zum Carnaval dazugehört sind Schaum und Wasser- und in Santa Cruz: FARBEN!!! Viele verbringen den Carnaval in Santa Cruz in einer Comparsa. Um einer solchen Gruppe beizutreten zahlst du etwas Geld und bekommst dafür Essen, Trinken und Musik ohne Ende. Bleibst jedoch zumeist an einem Ort.

Der Carnaval beginnt in Santa Cruz mit dem Corso auf dem zunächst traditionelle Tänze aus der Region getanzt werden und dann alle möglichen Comparsa langlaufen. Und damit beginnt eigentlich die Dauerparty. Besonders im Zentrum, wo ich auch vorbei geschaut habe, geht es ab. Es ist eine reine Wasser-Schaum- und Farbschlacht. Und die Farben halten, sie gehen nicht so schnell wieder aus den Kleidern raus. Glaubt mir- meine Haare haben immer noch einen Rotstich. Also wenn man gerne feiern geht ist Santa Cruz die Ideale Stadt für den Carnaval…wenn man nicht schon davor krank wird…

Ein Fest für das ganz Lateinamerika bekannt ist,  ist die Quinceañera, der 15. Geburtstag der Mädchen. Dieses Fest dient der Einführung der Mädchen in die Gesellschaft und wird riesig gefeiert. Schon mindestens ein Jahr früher beginnen die Vorbereitungen. Von daher hieß meine Antwort auf die Frage meiner Gastmutter, ob ich bei der Quinceañera ihrer Nichte mitwolle natürlich ja. Schick angezogen ging es dann gegen 10 Uhr abends zur Location, welche mit riesigen Plakaten, die das Gesicht des Geburtstagskinds zierten, geschmückt war. Auch die Tische und der restliche Raum war nach dem Prinzessinnen Thema inszeniert. Der Geburtstag begann damit, dass zunächst Freundinnen des Geburtstagskinds mit Tanzpartner und alle im Partnerlook einliefen gefolgt von dem Geburtstagskind in einem pinken Prinzessinnen Kleid und ihrem Vater. Nach einer halben Stunde des Walzertanzens wurde dann Ohrenbetäubende Elektromusik aufgedreht und getanzt. Nach dem darauffolgendem Essen ging für mich das Highlight des Abends los, eine Show mit Breakdancern, Lichtshow, Sambashow… richtig cool. Und so ging der Abend weiter, mit Tanzen und trinken… Natürlich gab es auch hier eine riesige Torte und dann ging auch wieder in typisch Bolivianischer Art und Weise das suchen nach Recuerdos los. Der Tischschmuck, die Cupcakes… alles wurde eingepackt. Und am Ende blieb nur noch die engste Familie, während die anderen sich schon auf den Nachhauseweg machten. Die Eltern am Tanzen und draußen saß das Geburtstagskind, komplett müde vom Abend. Ich muss sagen, dass es echt eine coole Erfahrung war, ich am Ende aber auch froh war nach Hause zu kommen und wieder was hören zu können, nachdem ich von der lauten Musik fast taub geworden bin. Ich muss sagen, dass ich noch nie auf einer so großen Geburtstagsfeier war. Es war echt eine unglaubliche Erfahrung!

Verkehr-oder das Chaos auf den Straßen

Wenn ich einen der Unterschiede zwischen Deutschland und Bolivien nennen sollte, denke ich doch ziemlich bald an den Verkehr. Deutschland als ein Land mit unzähligen Regeln-die sogar zum größten Teil eingehalten werden- und noch mehr Schildern mit den verschiedensten Bedeutungen. Mit befestigten Straßen und neuen Autos.

Schaut man nur in Bolivien auf die Straßen zeichnet sich ein etwas anderes Bild ab. Angeschnallt wird es sich schon lange nicht mehr. Als ich an meinem ersten Tag in Bolivien vergeblich versuchte mit dem defekten Anschnallgurt im alten Taxi anzuschnallen, wurde ich zugleich von meiner Gastmutter ausgelacht. In Bolivien schnallt man sich nicht an, nur ab und zu erspähe ich doch mal eine Ausnahme, eine Seltenheit. Da man in Bolivien auf neue Autos mehr Steuern zahlt, findet man doch viel häufiger alte Schrottkarren, die der TÜV in Deutschland schon vor 10 Jahren aus dem Verkehr gezogen hätte. Fahrzeuge, bei denen man durch den Boden auf die Straße schauen kann. Britische Fahrzeuge, bei denen nur das Lenkrad und die Pedale nach links umgebaut wurden, der Rest sich aber noch auf der rechten Seite befindet. Fahrzeuge, die sich die ganze Zeit anhören, als würden sie sofort abnibbeln. Und und und.

Dadurch ist es kein Wunder, dass sich auf viel befahrenden Straßen ein extremer Geruch ausgebreitet hat, den man sonst eher auf einer Tankstelle findet. Und auch manchmal eine besonders alte Micro eine ganze Straße vernebelnd.

Aber nun zu den Straßen. Es gibt natürlich befestigte Straßen, jedoch grenzen an diese nur allzu häufig Staubige Wege aus festgefahrenem Dreck. Da jedoch ein Abfluss und Gullisystem fehlt, verwandeln sich die Straßen bei Regen geradezu in Flüsse und Seen. Und die unbefestigten werden regelrecht zu Matschpfützen. Straßenschilder gibt es auch nur bedingt und eingehalten werden sie eigentlich generell nicht. Die Ampeln sind auch nochmal eine Sache an sich. Während in Deutschland das Gelbe Licht einen dazu verleitet abzubremsen, wird es hier als Einladung interpretiert noch einmal so richtig auf Gas zu treten, damit man es sicher noch über die Kreuzung schafft. Und während man dann vor der zweiten Ampel  in der Mitte der Kreuzung abgebremst wird, wird man von einem lauten Hubkonzert begleitet. Und wenn die Autos mit 50 durch die Innenstadt rasen, wird vor Kreuzungen doch nicht abgebremst. Einmal kurz auf die Hupe drücken genügt vollkommen.

Wie schön erwähnt ist die Sicherheit beim Autofahren hier nicht so groß geschrieben. Auf den Motorrädern trägt wenn überhaupt nur der Fahrer einen Helm. Oft quetschen sich zudem über 3 Personen auf ein Motorrad. Kinder einbegriffen. Entweder auf dem Arm der Mutter oder nur zwischen den Beinen eingequetscht. Und natürlich ohne jegliche Art der Sicherung.

So ist der normale Verkehr. Es geht für den Einzelnen nur darum möglichst schneller als die Autos um ihn herum zu sein. Die ganze Situation verschärft sich nochmal auf den Mercados und besonders auf der Feria – ein Markt der zwei Mal die Woche stattfindet und zu meinem Leidwesen direkt auf meinem Arbeitsweg  liegt. Wodurch sich dieser um bis zu 15 Minuten an Feria-Tagen verlängert. CHAOS Pur. Die Ampelphasen werden schon längst nicht mehr eingehalten und die Hupen sind im Dauergebrauch. Der reine Horror.

Eigentlich würde man erwarten, dass es nur zu Unfällen kommt, aber tatsächlich scheinen viele Bolivianer einfach nur sehr viel Glück zu haben. Und sind natürlich an die Situation gewöhnt. Dennoch sind die Sirenen der Krankenwagen im Dauergebrauch. Ich muss sagen, dass etwas mehr Ordnung sicher nicht schaden würde.

Feste auf bolivianisch

Hochzeiten und Geburtstage kennt man ja aus Deutschland und natürlich gibt es sie auch in Bolivien, auch wenn diese hier etwas anders gefeiert werden.

Vor ein paar Wochen hat Helen mich spontan eingeladen sie auf eine Hochzeit von Leuten aus ihrem Projekt zu begleiten. Also ging es am Abend los zur Kirche. Als wir ankamen, fragten wir uns jedoch, ob wir richtig sind. Die Kirche war 10 Minuten vorm Gottesdienst vollkommen leer. (Gottesdienste beginnen hier in Bolivien eigentlich ziemlich pünktlich) Am Ende wurden wir jedoch bestätigt, dass wir richtig waren, weil Mitarbeiter aus Helens Projekt kamen. Schließlich traten auch schon Braut und Bräutigam in die Menschenleere Kirche ein. Es ist hier in Bolivien anscheinend so, dass nur die enge Familie bei der Hochzeit in der Kirche dabei ist, wie mir kurz davor eine bolivianische Freundin erzählte. Nach dem kurzen Gottesdienst wurden Bilder vom Brautpaar mit Gästen gemacht (etwas, was man an dem Abend noch viel sehen würde). Nach der Kirche machten wir uns auf zur Feierlocation, wo gerade erst alles aufgebaut wurde. Während unserer mehrstündigen Wartezeit bis die Hochzeit weitergeht, wurden wir mit Cola und Bier versorgt. Schon dass halbvolle Glas wurde einem wieder nachgeschenkt. Erst um kurz vor zwölf ging die Feier weiter. Es wurde gegessen, getanzt und sehr viel Bier getrunken. Um 2 kamen immer noch Leute an. Und erst um 6 Uhr morgens wurde die Torte angeschnitten, aber nicht vor dem traditionellen „Stupser“ des Gesichts in die Torte. In dem Moment war das Brautpaar jedoch so betrunken, dass sie die Torte gar nicht mehr ohne fremde Hilfe anschneiden konnte.

Eine echt ganz andere Hochzeit.

Die Woche drauf folgten typisch bolivianische Geburtstage, die eins gemeinsam hatten: Nach der Torte geht die Mehrheit. Aber erstmal von Anfang an.

p1180039

Für den Geburtstag meines Gastbruders, den er in politischer Ironie Mexiko widmete (Trump), hat meine Gastmutter beschlossen unser Haus dementsprechend zu verzieren. Da sie jedoch auch das Essen kochte, blieb die komplette Arbeit eigentlich an Miguel und mir hängen. Am Abend war ein buntes Durcheinander an den Freunden Miguels und der Familie, anscheinend ist es in der Familie beinahe ein Skandal, wenn ein Familienmitglied nicht erscheint. Als alle da waren- wie immer zu spät- gab es Essen und dann auch Torte. Das anschneiden der Torte hieß dann für die Familienmitglieder: endlich dürfen sie nach hause gehen und schlafen. Da das ganze nur als Cena (Abendessen) geplant war, wurde nicht getanzt, nur geredet. Soweit zu dieser eher normalen Geburtstagsfeier. Denn am nächsten Tag erlebte ich ein gaanz anderes Geburtstagsfest.

img_20170205_165348

Es war der Kindergeburtstag, des zweijährigen Carlitos, der mit seinen Elten in einem riesigen Condominio wohnt (so wie die Gated Communities in den USA). Auf dem Weg zur Feier meinte mein Gastbruder nur, dass die Menschen hier für Kindergeburtstage oft so viel ausgeben, wie für Hochzeiten, wenn nicht sogar noch mehr. Demnach war ich schonmal gespannt. Als wir in dem Condominio, das für sich schon mal eine eigene Welt ist ankamen, war das schon mal eine Sache an sich. Dann kamen wir jedoch zur Partylocation, dort waren passend zum Dinosaurierthema riesige Dinosaurier aufgestellt, es gab eine Zuckerwattemaschiene, eine Eismaschiene (beklebt mit dem Gesicht Carlitos), 2 Animateure für die Kinder, eine Kindermal- und Kinderschminkstation, Geschenktütchen… Zusätzlich wurden die ganze Zeit, auch von uns-Hannah, Hannes und mir, weil wir etwas mithalfen- Snacks verteilt… Es gab einfach alles. Und das für einen zweijährigen Jungen. Normal werden wohl nur die ersten Geburtstage so groß gefeiert, aber da Carlitos an seinem ersten Geburtstg mit seinen Elten verreist war, musste es der zweite sein. Und auch hier: nachdem die Torte gegessen war, verschwanden fast alle. Ich diesmal auch relativ bald, weil ich von den ganzen feiern echt müde war und am nächsten Tag arbeiten musste…

Bei Festen in Bolivien merkt man zum Teil schon, weil sich traditionellere bolivianische Einflüsse mit vor allem amerikanischen Einflüssen mischen. Es waren auf jeden Fall komplett andere Erfahrungen für mich.